Zur Autorin
Daniela Wohlfromm betreibt mit textwerk eine inhabergerführte Kommunikationsagentur mit den Schwerpunkten Konzeption, Text und Redaktion.
Neben der freiberuflichen Tätigkeit für Agenturen, berät und coacht sie vor allem klein- und mittelständische Unternehmen sowie Existenzgründer in allen Fragen der Kommunikation.
Daniela Wohlfromm spricht insbesondere Unternehmen an, die werteorientiert und nachhaltig wirtschaften, die ihre Mitarbeiter fördern und ihre Kunden in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation rücken.
INTERVIEW
Frau Wohlfromm, Sie betreuen mit textwerk seit vielen Jahren Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen. Nun möchten Sie sich spezialisieren auf die Unternehmen, die werteorientiert wirtschaften. Was verändert sich durch Ihre Spezialisierung?
Zum einen konkretisiert sich meine Zielgruppe, zum anderen kann ich mich persönlich besser mit den Unternehmen bzw. deren Produkten und Dienstleistungen identifizieren. Es wird sozusagen zu einer Herzensaufgabe. Ich unterstütze den Hersteller und den Konsument. Letzterer rückt nämlich in den Mittelpunkt der Kommunikation. Er will mehr über die Produkte, die er kauft wissen hinsichtlich Herstellung, Arbeitsbedingungen, Inhaltstoffe etc. Er möchte sich damit etwas Gutes tun ohne anderen dabei zu schaden.
Noch mehr Umsatz, noch mehr Wachstum auf Kosten von Mitarbeitern und Kunden, Qualität der Produkte, Umwelt etc. ist nicht die Motivation meiner Auftraggeber. Aber ich bin davon überzeugt, dass sich der wirtschaftliche Erfolg trotzdem bzw. gerade deswegen einstellen wird, weil hier im Einklang mit Mensch und Umwelt gewirtschaftet wird.
Folgen Sie damit einem Trend?
Ich folge ihm nicht, ich lebe ihn. So langsam greift ein Denken um sich, das sich aufgerüttelt durch Katastrophen in Wirtschaft und Umwelt mehr an ökologischen und ethischen Maßstäben orientiert. Was nicht heißt, dass man auf Genuss und auf neue Technologien verzichtet. Ganz im Gegenteil. Hier geht es ja gerade darum, neue Technologien voranzutreiben, die sich mit der Umwelt, mit dem Mensch vertragen – ohne die Erde auszubeuten.
Ich hatte bereits vor ca. sechs Jahren ein Magazin (Vita lokal) entwickelt, das sich speziell an Leser und damit auch an Konsumenten richtete, die sich für gesundes Leben interessieren und offen sind für Neues. Mit diesem Trend und der Betitelung einer Zielgruppe wie die der LOHAS tun sich ganz neue Möglichkeiten auf: Viele Unternehmer werden umdenken und sich auf die neue Zielgruppe der LOHAS einstellen. Neue innovative Produkte kommen auf den Markt und Unternehmen, die seit langem schon „Ökoprodukte” produzieren, stehen der Werbung nun offen und positiv gegenüber. Das ist meine Chance, meine Erfahrungen aus über 13 Jahren Kommunikation und Marketing einzubringen. Außerdem zähle ich mich selbst zu einem „LOHAS”-ausgerichtetem Konsument.
Gibt es Unterschiede in der Kommunikation an LOHAS?
Ja. Diese Art der Kommunikation ist informativer und aufklärender. Unternehmen, die sich z. B. den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben haben, sind gefordert, ihre Produkte und ihre Unternehmenskultur danach auszurichten. Darüberhinaus können sie dem Verbraucher Informationen an die Hand geben und ihm Aufklärung bieten. Ein Beispiel ist die IT-Industrie. Kurz vor der letztjährigen CEBIT rief Dietlinde Quack, IT-Expertin, vom Öko-Institut, Deutschlands führendem Umweltforschungsinstitut dazu auf, die Verbraucher sehr viel besser über die Möglichkeiten des Energiesparens zu informieren (zur Pressemeldung vom Öko-Institut). Auch hier könnte das textwerk-Büro zum Einsatz kommen. Denn ich habe schon einiges für die IT-Industrie gemacht und könnte hier wunderbar tätig werden, wenn es hier um ein Umdenken geht.
Welchen Nutzen ziehen Auftraggeber aus Ihrer Arbeit bzw. aus Ihrer Spezialisierung?
Als Texterin und Konzeptionerin mit Beratungstätigkeit und langjährigen Praxiserfahrungen aus PR und Werbung profitieren die Kunden zum einen von meiner Professionalität und meiner Leidenschaft für meine Arbeit. Durch die Spezialisierung kommt noch einer weiterer Punkt dazu: mein persönliches Engagement, meine Kreativität und mein Ideenfeuer wird ganz von selbst geschürrt. Ein weiterer Punkt ist: es könnten sich Schnittstellen und Synergien ergeben mit anderen Auftraggebern aus meinem Netzwerk. Denn ich liebe es, Menschen miteinander bekannt zu machen, sie zu vernetzen, wenn ich feststelle, dass es hier Anknüpfungspunkte geben könnte.
Was verändert sich in Ihrer Arbeit?
Die Leistungen bleiben zunächst gleich. Aber die Motivation ist größer. Wenn man so lange PR-Arbeit und Werbetexte macht, kommt man irgendwann an den Punkt, dass man sich fragt: Was erzähle ich hier eigentlich? Und wen interessiert das? Stehe ich überhaupt dahinter? Es gibt zum Glück eine Reihe von Auftraggebern, für die ich nach wie vor sehr gern arbeite – hier stimmt die Chemie und auch deren Arbeit. Und ganz nebenbei teilen wir auch bestimmte Wertvorstellungen.
Was sich noch verändert ist die eigene Akquise. Ich suche mir so die Kunden, für die ich arbeite, gezielter aus. Es passt schon von vornherein besser, weil man übereinstimmt in ganz grundlegenden Anschauungen.
Was hat Sie zu diesem Schritt der Neupositionierung bewogen?
Ich bin mit meiner Auslastung zufrieden. Manchmal wird es mir sogar zuviel. Es ist schwierig und auf Dauer unmöglich, 5 – 7 Tage in der Woche täglich 8 Stunden reine Konzeptions- oder Textleistungen zu erbringen. Erstmal fehlt dann die Zeit für die eigenen Büro- und Verwaltungsarbeiten, zweitens laugt es aus. Man braucht zum Auftanken einfach zwischendurch auch mal Routineaufgaben, Telefonate, Beratungsgespräche oder einfach die Zeit, sich in Fachzeitschriften oder Recherchen im Netz zu vertiefen. Weil ich mich hier zunehmend unzufriedener fühlte und hier auch kein Textimperium aufbauen will, sondern meine Schwerpunkte im Leben anders setze, habe ich mir einige Gedanken dazu gemacht, wie es in Zukunft für mich weitergehen soll. Und wie ich meine persönlichen Interessen mit meiner Arbeit besser vereinbaren kann. Ich habe mir die Fragen gestellt: Wo stehe ich derzeit mit meiner Arbeit? Bin ich zufrieden oder möchte ich etwas verändern? Wo stehe ich persönlich und wohin will ich? Gibt es Kunden oder Branchen für die ich besonders gern arbeiten würde?
Denken Sie daran, Ihr Leistungsspektrum auf Dauer zu erweitern?
Ja, ich könnte mir vorstellen, dass ich auch den Bereich Coaching als festen Bestandteil in meine Arbeit aufnehme. Derzeit läuft das so mit. Konkret treibe ich gerade Verlagsprojekte voran. Speziell für meine „LOHAS-Unternehmen” eröffnet das Instrument „Corporate Publishing” viele Möglichkeiten für die Kommunikation zum und mit dem Kunden.