Wenn ich etwas häufig und regelmäßig tue, und das immer auf die gleiche Art und Weise, so habe ich schnell Routine darin. Routine leitet sich ab von Route – einem festgelegten Weg. So wie Sie jeden Tag den gleichen Weg nehmen, um zur Arbeit zu kommen. Wenn nicht eine Baustelle Sie darin hindert. Statt sich darüber zu ärgern, freuen Sie sich, dass Sie dieses Hindernis auf einen neuen Weg führt. Betrachten Sie es als kleinen Weckruf.
Meiner Ansicht nach, tun wir viel zu viel mechanisch. Wir sind wahre Routiniers. Beim Aufstehen, Klogehen, Zähneputzen, Teekochen, Hundstreicheln, Ehemannverabschieden … Wissen Sie, welche Farbe das Hemd hat, das er heute früh angezogen hat? Oder die Farbe der Unterwäsche, die Sie heute tragen?
Die Gefahr der Routine ist, dass dabei die Achtsamkeit, das bewusste Tun auf der Strecke bleibt. Ich bin nicht wirklich bei dem, der vor mir steht, bei dem, was ich gerade tue. Ich bin nur im Kopf, und dort bereits mit etwas anderem beschäftige – mit dem Geburtstagsgeschenk für meine Freundin oder dem morgigen Kundengespräch … Stopp. Zurück! Es ruft das Hier und Jetzt.
Ebenso automatisch, routiniert, unbewusst reden wir miteinander, gegeneinander, aneinander vorbei. Da wird nicht mehr richtig hingehört, fürs Zuhören fehlt die Zeit und wir verwenden Wörter, deren Bedeutung wir uns nicht bewusst sind. „Oh, das habe ich nicht so gemeint“ – wetten doch? Das Unterbewusstsein hat es genauso gemeint, wie Sie es gesagt haben. Doch es ist Ihnen so herausgerutscht – blopp, ganz unbewusst. Wie war das noch mit dem „Freudschen Versprecher“?
Mir ist aufgefallen, dass unsere Sprache häufig sehr hart klingt. Im Geschäftsalltag fallen Wörter wie: kriegsentscheidend“, Teams sind schlagkräftig, Gesprächspartnern macht man allzu gern Vorschläge und ist stets dazu bereit, sich auseinander-zu-setzen anstatt sich miteinander oder mit dem Thema zu befassen. Autsch, das tut auf Dauer weh.
Worte haben eine Wirkung. Auf mich. Auf meinen Gesprächspartner. Auf unsere Beziehungen, auf unser Leben. Und sie verraten viel über mich, meine Einstellungen, meinen Umgang mit mir selbst. Auch das noch.
Und jetzt? Beginne ich doch einfach mal damit, hinzuhören. Ohne zu urteilen. Und ohne meine Sprache direkt verändern zu wollen. Welche Worte verwende ich häufig? Wie wirken diese Worte auf mich? Was sagen sie mir über mich?
Es gibt viel zu entdecken abseits der üblichen Routen!